Den Amazonas gibt es nur, weil es ihn gibt



In einer Fernsehdebatte des G1 sprachen die Journalisten mit Ricardo Galvao, dem ehemaligen Direktor des INPE, eines Forschungsinstituts, das die Entwaldung des Amazonas überwacht, mit Tasso Azevedo, der NGO Imaflora und MAPBIOMAS und Carlos Nobre, einem bekannten Klimaforscher.

Das Regenwaldsystem ist extrem komplex, es bedarf seiner eigenen Feuchtigkeit, der Feuchtigkeit der Bäume und der organischen Materie, die von den Bäumen auf den Boden fällt, um als Regenwald überleben zu können. Wenn 25 % des Regenwaldes zerstört ist, gib es kein zurück. Das ganze Gebiet würde zu einer Savanne. Die Wissenschaftlichen Modelle zeigen auf, dass uns gerade einmal 30 Jahre bleiben, um diese Tendenz zu stoppen. Auch wenn der Brasilianische Präsident das Gegenteil behauptet, ist weniger als 20 % des Amazonasgebietes fruchtbar. Es gibt den Entwaldungsbogen von Maranhao bis Mato Grosso de Norte wo die Trockenzeit schon drei Wochen länger andauert als im übrigen Amazonasgebiet und das ist gerade in diesem Jahr besonders schlimm, weil der Atlantik wärmer ist als je zuvor.

Über eventuelle Strategieänderung der Regierung Bolsonaro sagte Tasso, dass seit der Reise des Wirtschaftsministers Paulo Guedes nach Davos im letzten Januar nur verbale Ankündigungen stattfanden. Der Amazonasrat wurde wieder ins Leben gerufen, auch der Vizepräsident Mourao nimmt jetzt daran teil, aber im ersten Halbjahr liegen die Brandrodungsziffern deutlich über dem Vorjahr, das bereits extrem hoch war. Das einzige konkrete Resultat hatte es in einem Indioreservat wo im April die Kontrollbehörde Brandmaterial sichergestellt hat und seither keine weiteren Rodungen verzeichnet wurden. Es gibt aber eine enorme Anzahl von Goldsuchern innerhalb der Reservate, die nicht nur die Umwelt zerstören, sondern auch die Urbevölkerung sozial beeinträchtigen und jetzt mit dem Coronavirus ihre Gesundheit in Gefahr bringen. Bolsonaro vergleicht diese Goldsucher mit wandernden Händlern, aber der Vergleich ist unzutreffend. Die Wanderhändler haben ein hartes Leben und kein Beuteverhalten den Indios gegenüber. Von der Regierung kam nur ein 15 Seiten langer Bericht, der keine reelle Zielsetzung und keine konkreten Vorschläge beinhaltet.

Dr Carlos Nobre erklärt, dass der Druck, der von Europa aus, einer globalen Bewegung folgend, die die Nachhaltigkeit unserer Handlungen verlangt, auf die Unternehmen und Investoren einwirkt, nicht kurzfristig verschwinden wird und Brasilien dauerhaft wirtschaftlich schädigen könnte, wenn das Land die Brandrodungen nicht in den Griff bekommt. Solange der Minister Salles im Amt bleibt, wird Brasilien nicht glaubwürdig erscheinen.

Auch Ricardo Gavao kritisiert den Umweltminister Salles, der bei einer Versammlung im April deutlich ausdrückt hatte, dass er die Situation der Pandemie ausnützen wolle, um die „Rinderherde“ auf den Amazonas loszulassen, jetzt wo alle Augen auf die Probleme mit Covid gerichtet sind. Aber schon im Vorjahr hatte der Außenminister Ernesto Arajao den Klimawandel als „Marxistisches Komplott“ abgetan.

Schliesslich stellte sich noch die Frage durch die Überwachungen der INFE, deren Direktor Gavao im vorigen Jahr entlassen wurde, weil dem Präsidenten die Resultate nicht gefielen, dieses Jahr gefolgt von Lubia Vinhas, einer anerkannten Informatikerin, die auch abgesägt wurde. Sollte das INPE nicht mehr funktionieren können, vielleicht weil es unter eine Militärkontrolle gestellt würde, so haben sowohl die NASA als auch China und Europa genug Satelliten, um den Amazonas zu überwachen.

Alle Befragten stellten jedoch klar, dass das Amazonasgebiet konkrete und strenge Entscheidungen verlangt, weil sonst die Situation völlig außer Kontrolle gerät.

Zur Zeit gibt es keine bevorstehenden Veranstaltungen

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